Interview mit Sergio Gloor
Warum habe ich Biologie und Chemie studiert?
Offen gesagt, als ich mein Studium der Biologie und Chemie aufnahm, war mir nur bedingt klar, was mich genau erwarten würde. Ich fand am Gymnasium Chemie (und Mathematik) am spannendsten, hatte aber auch Gefallen an Themen der Biologie und der Physik. Nach den ersten Semestern verbesserte sich die Situation. Aber erst mit zunehmender Spezialisierung und während der Durchführung meiner Masterarbeit gewann ich jenen Einblick, den ich nie mehr missen möchte: wie die spannende, manchmal aber etwas trockene Chemie auf biomolekularer Ebene zur absoluten Faszination wurde: lebendige Chemie, eben Biochemie.
Welche Erkenntnisse habe ich während meiner Forschertätigkeit gewonnen?
Einfache Vorgänge aus der belebten Natur auf molekularer und chemischer Stufe zu beforschen war das Privileg, das ich als Forscher hatte und genoss. Drei neue Proteine konnte ich während meiner Forschung entdecken, und jedes Mal sah das Protein anders aus, als ich aufgrund der bestehenden Resultate erwartet hatte. Daraus lernte ich: Unvoreingenommenheit ist ein Schlüssel zu Kreativität. Aber mir wurde auch bewusst, wie unterschiedlich qualifiziert Forscher im Bereich der Life Sciences waren und dass nur eine qualitativ höchststehende Ausbildung zu solider und kreativer Forschung befähigt. Daraus resultiert ein einfaches Fazit: Studenten sollen ab Beginn ihres Studiums Lerninhalte fachübergreifend (AC, BC, OC, PC, BIO) erkennen und verstehen lernen; idealerweise mit einem Bezug zu einer einfachen Forschungsfrage.
Was mache ich als Curriculums- und Lehrkoordinator der Biochemie?
Diese Tätigkeit verlangt u.a., ein Curriculum “am laufen zu halten”, es zu profilieren und es überall dort zu entschlacken, wo Ballast den Blick auf das Wesentliche verstellt hat. Daneben unterrichte und prüfe ich in Vorlesungen, Praktika und Blockkursen. Hier gilt: wer lehren will, muss lernen. Zwar nicht unbedingt die einfachen Grundlagen, aber wie komplexere Inhalte in einer für Studenten logischen Folge hergeleitet werden können. Beim Lösen dieser Aufgabe lerne ich viel während meiner Präsenz in den Blockkursen. Hier pflege ich einen intensiven und direkten Kontakt zu den Studenten (etwas was ich mir als Student mehr gewünscht hätte) und löchere sie mit “warum” und “wie” Fragen (oft vor der Wandtafel und alle dürfen mit Kreide mitarbeiten). Schliesslich bin ich als Studienberater Ansprechperson bei allen möglichen Fragen der Studenten zu ihrer Ausbildung und Zukunft. Als Studienberater obliegt mir auch die Verantwortung, Bewerbungen von auswärtigen Studenten, die an der UZH Biochemie studieren möchten, zu beurteilen.

